Gewerkschaften: Aufgaben, Ziele und Arbeitnehmervertretung

Gewerkschaften. Klingt erst einmal nach Demos, Transparenten und alten Schlagworten aus dem Politikunterricht, oder? Dabei haben Gewerkschaften im Alltag eine ziemlich wichtige Rolle, wenn man sie auch nicht jeden Tag sieht. Gerade in einer Branche, in der Stress, Schichtarbeit und Zeitdruck ganz normal sind, sorgen sie dafür, dass Beschäftigte nicht allein dastehen.

Im Grunde sind Gewerkschaften Zusammenschlüsse von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Das Motto lautet: Zusammen ist man stärker. Denn mal ehrlich, als einzelne Auszubildende oder Angestellter ist es schwer, über Löhne, Arbeitszeiten oder Urlaub zu verhandeln. In der Gruppe sieht das ganz anders aus. Gewerkschaften bündeln diese Stimmen und bringen sie an einen Tisch mit den Arbeitgebern.

Ein großes Thema hierbei sind Tarifverträge. Gewerkschaften verhandeln mit Arbeitgeberverbänden darüber, wie viel Geld Beschäftigte verdienen, wie viele Stunden gearbeitet werden darf und welche Zuschläge es gibt. Auch Ausbildungsvergütungen werden oft tariflich geregelt. Das heißt: Ohne Gewerkschaften gäbe es viele dieser klaren Regeln gar nicht, und jeder Betrieb würde seine eigenen Bedingungen festlegen.

Für Azubis sind Gewerkschaften besonders interessant. Sie bieten Beratung und Unterstützung, zum Beispiel wenn es Stress im Betrieb gibt, Überstunden nicht korrekt erfasst werden oder du unsicher bist, was eigentlich erlaubt ist und was nicht. Viele Gewerkschaften haben eigene Jugendorganisationen, die sich speziell um die Themen von Auszubildenden kümmern – locker, verständlich und auf Augenhöhe.

Vielleicht denkst du jetzt: „Brauche ich das wirklich?“ Die kurze Antwort: Wissen schadet nie. Selbst wenn du kein Mitglied bist, profitierst du oft indirekt von der Arbeit der Gewerkschaften. Sie setzen Standards, die für viele Beschäftigte gelten auch in der Gastronomie und Hotellerie.


Definition: Gewerkschaft

Eine Gewerkschaft ist eine freiwillige Arbeitnehmerorganisation, die die Interessen ihrer Mitglieder bündelt und gegenüber Arbeitgebern, Verbänden und Politik vertritt.

  • Primäre Aufgabe: Vertretung der Arbeitnehmerrechte
  • Mittel: Tarifverhandlungen, Demonstrationen, Streiks, politische Lobbyarbeit
  • Mitglieder: Arbeitnehmer, Auszubildende, Teilzeitkräfte und in einigen Fällen auch Quereinsteiger

Beispiel Hotellerie:

  • In einem Hotelbetrieb kann eine Gewerkschaft wie NGG (Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten) für faire Löhne in der Gastronomie, geregelte Arbeitszeiten und Urlaubstage eintreten.

Die Ziele von Gewerkschaften

Die Ziele lassen sich in drei zentrale Bereiche gliedern:

1. Faire Bezahlung und Tarifverträge

Gewerkschaften setzen sich für gerechte Löhne ein und schließen Tarifverträge mit Arbeitgebern ab, die Mindestlöhne, Zuschläge und Sonderzahlungen regeln.

Beispiel:

  • Ein Auszubildender in einem Restaurant erhält durch den Tarifvertrag der NGG ein festgeschriebenes Ausbildungsgehalt, das regelmäßig angepasst wird.

2. Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Gewerkschaften kämpfen für gesundheitliche, soziale und rechtliche Verbesserungen am Arbeitsplatz.

  • Regelung von Arbeitszeiten und Schichten
  • Schutz vor Überlastung und unsicheren Arbeitsverträgen
  • Förderung von Gesundheitsschutz, Pausenregelungen und Fortbildungen

Beispiel:

  • In einem Hotelbetrieb sorgt die Gewerkschaft dafür, dass Mitarbeiter nicht über 10 Stunden am Stück arbeiten müssen und Schichtpläne gerecht verteilt sind.

3. Vertretung bei Konflikten

Gewerkschaften stehen Mitgliedern bei Streiks, arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen oder Kündigungsdrohungen zur Seite.

  • Rechtsberatung und Unterstützung kostenlos für Mitglieder
  • Streikorganisation und kollektive Verhandlung
  • Politische Interessenvertretung auf Branchenebene

Beispiel:

  • Ein Küchenmitarbeiter in einem Hotel fühlt sich unfair behandelt. Die Gewerkschaft unterstützt bei Gesprächen mit dem Arbeitgeber, um eine faire Lösung zu erzielen.

Wie Gewerkschaften arbeiten

Die Arbeitsweise einer Gewerkschaft lässt sich in fünf Kernbereiche unterteilen:

BereichBeschreibungPraxisbeispiel Hotellerie/Gastronomie
TarifverhandlungenAushandeln von Löhnen, Zuschlägen und ArbeitsbedingungenNGG verhandelt Gehaltsstufen für Köche und Servicepersonal
Streik & DemonstrationDurchsetzung von Forderungen, kollektive AktionenDemonstration für bessere Wochenendzulagen in Restaurants
Rechtliche UnterstützungBeratung bei Kündigung, VertragsstreitigkeitenUnterstützung bei Kündigungsschutzverfahren von Auszubildenden
Weiterbildung & SchulungAngebote für Mitglieder zur beruflichen QualifikationSeminare zu Arbeitsschutz, Hygienestandards, Servicequalität
Politische InteressenvertretungLobbyarbeit und GesetzesinitiativenEinflussnahme auf Mindestlohnregelungen in der Gastronomie

Gewerkschaften in Deutschland

In Deutschland gibt es zahlreiche Gewerkschaften, die sich auf unterschiedliche Branchen spezialisieren:

GewerkschaftBranche / FokusBeispiele für Leistungen
VerdiDienstleistungssektor, Verwaltung, CallcenterTarifverträge für Angestellte, Fortbildungsprogramme
NGGGastronomie, Hotellerie, LebensmittelproduktionLöhne, Arbeitszeiten, Gesundheitsschutz
IG MetallIndustrie, TechnikTarifverträge, Mitbestimmung in Großbetrieben
EVGVerkehr, BahnArbeitszeitregelungen, Urlaubsansprüche

Beispiel Hotellerie:

  • Ein Hotelbetrieb mit 50 Mitarbeitern hat die Möglichkeit, Mitglieder bei NGG oder Verdi anzumelden, um Tarifverträge und Rechte für Service- und Küchenteams zu sichern.

Mitgliedschaft in Gewerkschaften

Mitglied kann jeder Arbeitnehmer werden, der seine Interessen vertreten lassen möchte.

  • Beiträge: In der Regel zwischen 1–2% des Bruttolohns
  • Leistungen: Tarifliche Sicherheit, Rechtsberatung, Streikunterstützung, Weiterbildung
  • Mitbestimmung: Mitglieder können in Gremien und Delegiertenversammlungen Einfluss nehmen

Beispiel:

  • Ein Auszubildender in einem Café zahlt 10 € monatlich Mitgliedsbeitrag. Dafür kann er Tarifverhandlungen einsehen, Beratungen wahrnehmen und an Aktionen teilnehmen und muss bei einem Rechtsstreit keine 1.000 Euro oder mehr an einen Anwalt zahlen.

Gewerkschaften vs. Betriebsrat

Es gibt klare Unterschiede:

MerkmalBetriebsratGewerkschaft
MitgliedschaftAlle Arbeitnehmer im BetriebFreiwillig, durch Beitritt
RechtsgrundlageBetriebsverfassungsgesetzTarifvertragsgesetz, eigene Satzung
AufgabenMitbestimmung im Betrieb, Schutz bei ArbeitsbedingungenTarifverhandlungen, Streiks, politische Interessenvertretung
BeispielMitspracherecht bei Schichtplänen, PausenregelungenDurchsetzung höherer Löhne für Hotelfachkräfte

Beispiel:

  • Der Betriebsrat eines Hotels sorgt für gerechte Urlaubspläne, während die Gewerkschaft Tariferhöhungen für die gesamte Branche aushandelt.

Fazit für Auszubildende und Angestellte

Für Mitarbeiter in Hotellerie und Gastronomie lohnt sich immer eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft:

  • Rechtlicher Schutz: Kündigungsschutz, Tarifverträge
  • Faire Arbeitsbedingungen: Arbeitszeiten, Pausen, Zuschläge
  • Mitbestimmung: Einfluss auf politische und branchenspezifische Entscheidungen
  • Unterstützung bei Konflikten: Rechtsberatung, Streikmaßnahmen

Tipp:

  • Auch als Teilzeitkraft oder Azubi kannst du Mitglied werden und von den Vorteilen profitieren.