Wildfleisch – Natur pur auf dem Teller

Wildfleisch ist etwas Besonderes und nicht nur wegen des intensiven Geschmacks, sondern auch, weil es direkt aus der Natur kommt. Anders als „normales“ Fleisch stammt Wild von frei lebenden Tieren wie Rehen, Hirschen, Wildschweinen oder Hasen. Die Frage „Wann ist Fleisch eigentlich Wild?“ lässt sich also einfach beantworten: Wildfleisch kommt ausschließlich von Tieren, die in der Natur leben und nicht aufgezogen oder gemästet wurden.

Man sollte also daher wissen, dass Wildfleisch nicht nur aromatisch, sondern auch magerer ist und durch Bewegung und natürliche Ernährung einen ganz eigenen Geschmack bekommt. Es spielt eine wichtige Rolle in der Gastronomie, in Landgasthöfen und auch in modernen Restaurants, die regionale und saisonale Produkte schätzen.

Die richtige Verarbeitung von Wildfleisch erfordert Wissen: Fleisch von Wildtieren ist zarter, braucht andere Garzeiten und muss oft sorgsam nachgereift werden, um sein volles Aroma zu entfalten. Außerdem gibt es typische Cuts und spezielle Zubereitungsmethoden vom klassischen Rehrücken über Wildragout bis hin zu Wildpasteten.


Wildarten und ihre Besonderheiten

Wild wird in der Gastronomie nach Haarwild und Federwild unterschieden. Jedes Tier hat eigene Eigenschaften, Garzeiten und Fleischqualitäten.

Haarwild

TierartUnterarten / AlterFleischcharakteristikTypische Verwendung
RehwildBöcke, Ricken, KitzeZart, hellrot, mildRücken, Keule, Schulter, Hals, Brust, Vorderläufe, Innereien
RotwildHirsche, Hirschkühe, JungtiereKräftiger Eigengeschmack, dunkler, saftigBraten, Medaillons, Rouladen, Gulasch, Suppen, Terrinen, Saucen
SchwarzwildKeiler, Bachen, Frischlinge (<1 Jahr), Überläufer (2 Jahre)Würzig, festes Fleisch, dunklerRücken, Keule, Schulter, Bauch, Hals, Brust
Kaninchen & HaseJungtiere <1 JahrWeiß, zart, sehr feinfasrigRücken, Keule, Bauchlappen, Vorderläufe, Hals, Schmorgerichte

Federwild

TierartGewicht / PortionBesonderheitenPortionierung
Wachtelca. 120 gKleinste Wildhühner, feines Aroma2 Tiere pro Person (Hauptgericht)
Fasan1–2 kgWildhuhn, wird auch gezüchtet2 Portionen
Rebhuhnca. 150–200 gSelten, kräftiger Eigengeschmack1–2 Portionen
Wildente1–2 kgMeist Stockenten, dunkles, aromatisches Fleisch1–2 Portionen

Lagerung und TK-Ware

Wildfleisch ist besonders anfällig für Verderb, daher gelten strikte Hygieneregeln:

AspektHinweise
Lagerfähigkeit TKBis zu 7 Monate möglich
AuftauenFleisch aus Folie nehmen, auf Ablaufsieb im Kühlschrank auftauen
AuftauflüssigkeitImmer weggießen – Salmonellengefahr
VorbereitungFleisch gründlich mit kaltem Wasser waschen, gut trockentupfen
Optische KontrolleFeine Häute und Sehnen abtrennen, Fleisch auf Farbe und Geruch prüfen
VerarbeitungHaarwild: Rücken, Keule, ganz; Federwild: Brust, Keule, ganz

Beizen und Marinieren von Wildfleisch

Wildfleisch hat einen starken Eigengeschmack und festes Bindegewebe, daher werden Beizen oder Marinaden eingesetzt, um Zartheit und Aroma zu verbessern.

Beizen

Beizen nutzt meist säurehaltige Flüssigkeiten und ist besonders geeignet für älteres Wild oder festeres Fleisch.

MethodeWirkungBeispiel
ButtermilchbeizeMilde Säure, macht Fleisch zarterRehkeule
RotweinbeizeGeschmacksausgleich, Gerbsäure löst BindegewebeHirschrücken, Wildschweinbraten
EssigbeizeStarke Säure, intensiviert Geschmack, eher für festes FleischÜberläufer-Hirsch

Rotweinbeize – Rezept:

  1. Wasser, Röstgemüse, Zwiebeln und Gewürze aufkochen
  2. Rotwein hinzufügen (nicht mehr kochen)
  3. Fleisch einlegen, kühlen
  4. Zartheit und Rotweinaroma entfalten sich

Marinieren

Marinieren kann mit oder ohne Säure erfolgen. Ziel ist es, Geschmack zu intensivieren und leichte Konservierung zu erreichen. Prinzipiell ähnlich wie Beizen, wird jedoch häufiger bei Geflügel und Salaten eingesetzt.

Merksatz: Beizen = stärkerer Zartmacher-Effekt, Marinieren = Aromatisierung und leichte Konservierung.


Gewürze für Wildgerichte

Wildfleisch harmoniert besonders mit kräftigen Aromen, die den Eigengeschmack unterstreichen, aber nicht überdecken:

Gewürz / AromaAnwendung
WacholderKlassiker bei Rot- und Schwarzwild
Thymian & RosmarinFür Haarwild, Braten, Rouladen
Lorbeer & PfefferSuppen, Saucen, Ragouts
Zitronen- & OrangenschalenFederwild, leichte Säure für Aroma
Gewürznelken & PimentFür Wildbraten und Saucen
IngwerSparsam, exotische Note
📌

Merke:

Kräuter und Gewürze sollten den Eigengeschmack des Wildes betonen, nicht überdecken.


Typische Beilagen zu Wildgerichten

Wildgerichte kombinieren sich hervorragend mit fruchtigen, erdigen und stärkehaltigen Beilagen:

BeilagePassend zuBemerkung
Birnen mit Preiselbeeren, ÄpfelnHaarwild, FederwildFruchtige Ergänzung zu kräftigem Fleisch
Pfeffer- oder RotweinsauceAlle WildartenKlassiker für Ragout und Braten
WacholderrahmRot- und SchwarzwildVerstärkt das Aroma
WaldpilzeHaarwildErdig, intensiv, saisonal
Gemüse: Brokkoli, grüne Bohnen, Schwarzwurzel, Rotkohl, RosenkohlAlle WildartenFarblich und geschmacklich passend
Kartoffelbeilagen: Kroketten, Macaire, RöstiAlle WildartenSättigend, neutral
Nudeln & SpätzleHaarwildFür Ragouts, leichte Saucen
Kastanien & MaronenFederwildHerbstliche, edle Beilage
📌

Merke:

Wildgerichte profitieren von harmonisch abgestimmten Beilagen, die sowohl Farbe als auch Textur auf den Teller bringen.


Verarbeitung von Wild in der Gastronomie

Haarwild

TeilstückTypische Zubereitung
RückenBraten, Medaillons, Rouladen
KeuleBraten, Schmoren, Confieren
Schulter / BugSchmorgerichte, Ragouts
HalsSuppen, Schmorgerichte
Brust / VorderläufeGulasch, Eintöpfe
InnereienRagout, Pasteten, Terrinen
📌

Merke:

Jedes Stück hat eigene Garzeiten und optimale Garmethoden – Rücken und Keule kurzgebraten oder geschmort, Hals und Schulter eher Schmorgerichte.


Federwild

TeilstückTypische Zubereitung
BrustKurzgebraten, Pochiert, Gefüllt
KeuleSchmoren, Braten
Ganzes TierBraten, Bardieren, Galantine

Praktische Tipps für die Gastronomie

  • Frischeprüfung: Fleischfarbe, Geruch und Struktur kontrollieren.
  • Vorbereitung: Häute, Sehnen, Blutgerinnsel entfernen, Fleisch trocken tupfen.
  • Portionierung: Kleinere Wildarten wie Wachtel oder Rebhuhn direkt für den Hauptgang portionieren.
  • Garzeiten: Alter und Größe des Tieres beachten – Jungwild zarter, ältere Tiere festes Bindegewebe.
  • Saucen und Beilagen: Immer abgestimmt auf Wildart und Gewürze.
  • Hygiene: Auftauflüssigkeit immer entsorgen, einmal aufgetautes Wild nicht wieder einfrieren.