Getreide: Qualität und Vielfalt für jeden Teller

Getreide bildet die Grundlage zahlreicher Backwaren und ist damit ein zentrales Thema in der Gastronomie und Hotellerie. Vom knusprigen Bauernbrot bis zum feinen Toast, die Vielfalt an Brotsorten ist das Ergebnis unterschiedlicher Getreidearten, Mahlgrade und Backverfahren. Für Auszubildende ist es unerlässlich, diese Zusammenhänge zu verstehen. Denn spätestens beim Frühstücksservice oder in der Warenkunde zeigt sich, wer den Unterschied zwischen einem Roggenmischbrot und einem Weizenbrot nicht nur schmeckt, sondern auch erklären kann.

Getreidesorten: Die Basis jeder Backware

Die Auswahl an Getreidearten ist groß, jede bringt eigene Eigenschaften mit sich.

Wichtige Getreidesorten im Überblick

  • Weizen
    Hoher Klebergehalt (Gluten), ideal für lockere Teige und feine Backwaren
  • Roggen
    Kräftiger Geschmack, geringerer Klebergehalt, typisch für dunkle Brote
  • Hafer
    Reich an Ballaststoffen, eher für Flocken und Spezialprodukte
  • Gerste
    Häufig in der Brauerei verwendet, begrenzte Backfähigkeit
  • Mais
    Glutenfrei, leicht süßlicher Geschmack
  • Buchweizen
    Kein echtes Getreide, glutenfrei, nussiges Aroma
  • Hirse
    Mineralstoffreich, ebenfalls glutenfrei
  • Reis
    Vor allem als Reismehl in speziellen Backwaren
  • Grünkern
    Unreif geernteter Dinkel, aromatisch und leicht rauchig

Gerade Weizen und Roggen dominieren in der Brotherstellung. Während Weizen für luftige Strukturen sorgt, bringt Roggen Geschmack und Saftigkeit das ist eine Kombination, die in vielen Mischbroten geschätzt wird.

Aufbau des Getreidekorns: Kleine Struktur, große Wirkung

Ein Getreidekorn besteht aus mehreren Schichten, die jeweils unterschiedliche Inhaltsstoffe liefern.

Bestandteile des Korns

BestandteilInhaltsstoffe
Frucht- und SamenschaleBallaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe
AleuronschichtEiweiß, Öl, Mineralstoffe, Vitamine
MehlkörperStärke, Eiweiß
KeimlingFett, Eiweiß, Vitamine

Bedeutung für die Verarbeitung

  • Randschichten liefern wertvolle Nährstoffe
  • Mehlkörper ist Hauptlieferant für Energie (Stärke)
  • Keimling enthält hochwertige Fette, ist aber empfindlich

In der Praxis bedeutet das: Je mehr vom Korn verarbeitet wird, desto nährstoffreicher ist das Endprodukt, allerdings oft auch kürzer haltbar.

Mehltypen und Ausmahlungsgrad: Zahlen mit Aussagekraft

Die Typenzahl eines Mehls ist mehr als nur eine technische Angabe, sie liefert wichtige Informationen über den Mineralstoffgehalt.

Was bedeutet also die Typenzahl?

  • Gibt an, wie viele Milligramm Mineralstoffe in 100 g Mehl enthalten sind
  • Wird auch als Aschegehalt bezeichnet

Überblick ausgewählter Mehltypen

MehltypeEigenschaften
405sehr fein, hell, für feine Backwaren
550Standard für Brötchen und helle Brote
1050dunkler, kräftiger Geschmack
Vollkornenthält alle Bestandteile des Korns

Merke:

Ein höherer Ausmahlungsgrad bedeutet:

  • mehr Ballaststoffe
  • mehr Mineralstoffe und Vitamine
  • kräftigerer Geschmack

Allerdings auch:

  • schwerere Teige
  • kürzere Haltbarkeit

Ein klassischer Moment in der Backstube: Der Versuch, ein luftiges Weißbrot mit Vollkornmehl herzustellen, das Ergebnis erinnert dann meistens eher an ein sportliches Trainingsgerät.

Schrot und Grieß: Zwischenstufen der Vermahlung

Neben Mehl gibt es weitere wichtige Mahlprodukte.

Schrot

  • grob gemahlenes Getreide
  • enthält viele Randschichten
  • Vollkornschrot enthält zusätzlich den Keimling

Verwendung:

  • kräftige Brote
  • Vollkornprodukte

Grieß

  • körnig gemahlen aus dem Mehlkörper
  • hohe Quellfähigkeit
  • relativ hoher Eiweißgehalt

Verwendung:

  • Teigwaren
  • Süßspeisen
  • spezielle Brotsorten

Grieß zeigt besonders gute Verarbeitungseigenschaften – ein Grund, warum er nicht nur in der Küche, sondern auch in der Backstube geschätzt wird.

Brotsorten: Vielfalt aus dem Ofen

Die Art des Backens beeinflusst maßgeblich das Endprodukt. Dabei unterscheidet man verschiedene Brotsorten nach ihrer Herstellung.

Freigeschobene Brote

Typische Vertreter:

  • Landbrot
  • Bauernbrot

Merkmale:

  • werden mit Abstand auf dem Backblech gebacken
  • rund oder länglich geformt
  • rundum geschlossene, kräftige Kruste

Besonderheit:

  • intensive Röstaromen
  • rustikales Erscheinungsbild

Angeschobene Brote

Herstellung:

  • Teiglinge werden dicht nebeneinander gebacken
  • berühren sich während des Backens

Ergebnis:

  • knusprige Oberseite
  • weiche, helle Seitenflächen

Diese Brote sind besonders praktisch für Buffets oder Großproduktionen – sie lassen sich gut portionieren und bleiben saftig.

Kastenbrote

Typische Beispiele:

  • Toastbrot
  • Grahambrot

Merkmale:

  • Backen in einer Form (Kastenform)
  • gleichmäßige Form
  • weiche Kruste an den Seiten

Ausnahme:

  • Brote aus Weizenmehl können auch eine stärkere Krustenbildung zeigen

Dampfkammerbrote

Ein eher spezielles Verfahren:

  • Backen in geschlossenen Kammern
  • Einsatz von Dampf

Eigenschaften:

  • keine klassische Kruste
  • sehr kompakte Struktur

Beispiel:

  • Pumpernickel

Dieses Brot ist ein gutes Beispiel dafür, dass Geduld in der Küche eine Tugend ist – die Backzeit kann hier deutlich länger ausfallen als bei klassischen Broten.

Merke:

Der Umgang mit Getreideprodukten gehört zu den Grundlagen hierbei sind verschiedene Kompetenzen gefragt:

  • Kenntnis der Getreidesorten und ihrer Eigenschaften
  • Unterscheidung von Mehltypen
  • Verständnis für Backverfahren
  • fachgerechte Lagerung (trocken, kühl, luftdicht)

Typische Aufgaben im Ausbildungsalltag:

  • Brotsorten bestimmen
  • Mehltypen zuordnen
  • geeignete Produkte für Gerichte auswählen

Ein Klassiker: Der Frühstücksservice. Spätestens wenn Gäste nach „einem kräftigen Brot“ fragen, trennt sich Theorie von Praxis.

Typische Fehler und Herausforderungen

Auch bei Getreideprodukten gibt es Stolpersteine:

  • falsche Lagerung → Schädlingsbefall oder Qualitätsverlust
  • ungeeignete Mehlwahl → Teig gelingt nicht
  • fehlendes Wissen über Brotsorten → falsche Empfehlung im Service

Mit etwas Erfahrung lassen sich diese Fehler jedoch gut vermeiden und genau dafür ist die Ausbildung da.

Das könnte in der IHK-Prüfung gefragt werden

Typische Prüfungsfragen im Bereich Getreide und Brotsorten:

  • Nennen Sie wichtige Getreidesorten und ihre Eigenschaften.
  • Beschreiben Sie den Aufbau eines Getreidekorns.
  • Was sagt die Typenzahl eines Mehls aus?
  • Erklären Sie den Unterschied zwischen Mehl, Schrot und Grieß.
  • Welche Brotsorten unterscheidet man nach der Backweise?
  • Was sind die Merkmale von freigeschobenen Broten?