Milch und Milchprodukte gehören zu den wichtigsten Rohstoffen in der Hotellerie und Gastronomie. Sie werden für Frühstück, Desserts, Saucen, Suppen, Backwaren und zahlreiche weitere Gerichte verwendet. Ob Vollmilch im Kaffee, Sahne für eine Sauce oder Joghurt im Dessert – jedes Produkt besitzt eigene Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten.
Für die professionelle Küche ist es wichtig, die verschiedenen Milchprodukte zu kennen, ihre Fettgehalte richtig einzuordnen und zu wissen, wie sie hergestellt und gelagert werden.
Milch besteht überwiegend aus Wasser. Die übrigen Bestandteile bilden die sogenannte Milchtrockenmasse. Dazu gehören Milchzucker, Milcheiweiß, Milchfett, Mineralstoffe und Vitamine.
Ein Liter Kuhmilch mit etwa 3,5 % Fett enthält durchschnittlich folgende Bestandteile:
| Bestandteil | Ungefähre Menge pro Liter | Funktion und Bedeutung |
|---|---|---|
| Wasser | 870 g | Dient als Lösungsmittel für viele Inhaltsstoffe. |
| Milchzucker (Lactose) | 48 g | Liefert Energie und beeinflusst den Geschmack. |
| Milchfett | 35 g | Trägt zu Geschmack, Mundgefühl und Konsistenz bei. |
| Milcheiweiß | 33 g | Wichtig für Ernährung, Gerinnung und Schaumbildung. |
| Mineralstoffe | 7 g | Dazu gehören unter anderem Calcium und Phosphor. |
| Vitamine und weitere Bestandteile | Kleine Mengen | Beispielsweise die Vitamine A, B und D sowie weitere natürliche Inhaltsstoffe. |
Die Werte sind gerundete Richtwerte und können je nach Milchart, Fettgehalt und Zusammensetzung variieren.
Molke ist die Flüssigkeit, die bei der Käse- oder Quarkherstellung nach der Abtrennung der festen Bestandteile zurückbleibt. Sie enthält vor allem Wasser, Milchzucker, Mineralstoffe und Molkenproteine.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Süßmolke, die beispielsweise bei der Labgerinnung entsteht, und Sauermolke, die durch Säuerung gewonnen wird. Molke kann als Ausgangsstoff für Getränke und weitere Lebensmittel dienen.
Frische Milch ist leicht verderblich, weil sich Mikroorganismen unter geeigneten Bedingungen vermehren können. Durch verschiedene Verfahren wird die Haltbarkeit verlängert und die Lebensmittelsicherheit verbessert.
Beim Pasteurisieren wird Milch für eine festgelegte Zeit auf eine bestimmte Temperatur erhitzt. Ein verbreitetes Verfahren ist die Kurzzeiterhitzung auf ungefähr 72 bis 75 °C für mindestens 15 bis 30 Sekunden.
Eigenschaften:
Pasteurisierte Milch ist deshalb nur begrenzt haltbar und sollte nach dem Öffnen zügig verbraucht werden.
Beim Homogenisieren wird Milch unter hohem Druck durch sehr enge Öffnungen gepresst. Dabei werden die Fettkügelchen verkleinert und gleichmäßiger verteilt.
Dadurch setzt sich der Rahm nicht so leicht an der Oberfläche ab. Homogenisieren ist in erster Linie ein Verfahren zur Veränderung der physikalischen Eigenschaften und keine eigenständige Methode zur Haltbarmachung.
Bei der Ultrahocherhitzung (UHT) wird Milch für wenige Sekunden auf mindestens etwa 135 °C erhitzt und anschließend rasch abgekühlt. Danach wird sie unter hygienischen Bedingungen aseptisch verpackt.
Eigenschaften:
Bei der Sterilisation wird Milch länger und meist bei niedrigeren Temperaturen als bei der UHT-Behandlung erhitzt, beispielsweise bei etwa 110 bis 120 °C. Dadurch werden auch widerstandsfähige Mikroorganismen und viele Sporen inaktiviert.
Sterilisierte Milch ist ungeöffnet lange haltbar, kann aber einen stärker gekochten Geschmack und größere Veränderungen empfindlicher Inhaltsstoffe aufweisen. Eine absolute Keimfreiheit lässt sich bei Lebensmitteln nicht pauschal garantieren; entscheidend ist die erreichte Haltbarkeitssicherheit des Verfahrens.
Bei der Herstellung von Kondensmilch wird Milch unter vermindertem Druck erhitzt, sodass ein Teil des Wassers verdampft. Bei gezuckerter Kondensmilch wird zusätzlich Zucker zugesetzt, der ebenfalls zur Haltbarkeit beiträgt.
Milchpulver entsteht durch weitgehenden Wasserentzug, meist mithilfe von Sprühtrocknung. Es ist bei trockener Lagerung lange haltbar und wird beispielsweise in der Lebensmittelproduktion, Bäckerei und Getränkeherstellung eingesetzt.
Trinkmilch wird nach ihrer Behandlung und ihrem Fettgehalt unterschieden. Bei standardisierter Konsummilch wird der Fettgehalt in der Molkerei auf einen festgelegten Wert eingestellt.
| Milchsorte | Typischer Fettgehalt | Eigenschaften |
|---|---|---|
| Rohmilch | Natürlich variabel | Unbehandelte Milch, die nur gefiltert und gekühlt wird. Es gelten besondere Hygiene- und Abgabevorschriften. |
| Vorzugsmilch | Natürlich variabel | Besonders kontrollierte Rohmilch, die unter gesetzlichen Voraussetzungen abgegeben werden darf. |
| Vollmilch | Mindestens 3,5 % | Klassische Konsummilch mit vollmundigem Geschmack. |
| Fettarme Milch | 1,5–1,8 % | Weniger Fett als Vollmilch, vielseitig einsetzbar. |
| Magermilch | Höchstens 0,5 % | Sehr geringer Fettgehalt und entsprechend leichterer Geschmack. |
| Lactosefreie Milch | Je nach Ausgangsprodukt | Lactose wird mithilfe eines Enzyms in kleinere Zuckerbestandteile gespalten. |
| Bio-Milch | Je nach Produkt | Stammt aus ökologischer Erzeugung und unterliegt entsprechenden Produktionsvorschriften. |
Rohmilch wird nicht pasteurisiert oder ultrahocherhitzt. Sie kann deshalb krankmachende Keime enthalten. Vorzugsmilch unterliegt besonderen Anforderungen an Erzeugung, Kontrolle und Abgabe, ist aber ebenfalls nicht wärmebehandelt.
Für besonders gefährdete Personengruppen ist Rohmilch ungeeignet. Sie sollte vor dem Verzehr abgekocht werden. In der Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie müssen die jeweils geltenden lebensmittelrechtlichen Vorgaben beachtet werden.
Der natürliche Fettgehalt von Milch schwankt unter anderem durch Fütterung, Jahreszeit und individuelle Unterschiede zwischen den Tieren. In der Molkerei wird die Milch deshalb mithilfe eines Separators in Rahm und Magermilch getrennt. Anschließend werden beide Bestandteile im gewünschten Verhältnis wieder vermischt.
So erhält man Milchprodukte mit einem gleichmäßigen Fettgehalt und vergleichbaren Produkteigenschaften.
Sahne, auch Rahm genannt, ist der fettreiche Bestandteil der Milch. Sie wird durch Zentrifugieren von der Magermilch getrennt und je nach Produkt auf den gewünschten Fettgehalt eingestellt.
Sahne wird in der Küche zum Verfeinern, Aufschlagen, Binden und Abrunden von Speisen eingesetzt.
| Produkt | Typischer Fettgehalt | Verwendung |
|---|---|---|
| Schlagsahne | Mindestens 30 % | Zum Aufschlagen, für Desserts, Torten, Saucen und Suppen. |
| Kaffeesahne | Mindestens 10 % | Zum Verfeinern von Kaffee und Tee; nicht für gewöhnliches Aufschlagen geeignet. |
| Crème fraîche | Mindestens 30 % | Gesäuertes Sahneprodukt für Saucen, Suppen und Dips. |
| Schmand | Je nach Produkt meist etwa 20–29 % | Für Dips, Aufläufe, Saucen und Backwaren. |
| Crème double | Mindestens etwa 40 % | Sehr fettreiche Sahne zum Verfeinern von Saucen und Desserts. |
Die genaue Zusammensetzung kann je nach Produkt und nationaler Verkehrsbezeichnung variieren.
Schlagsahne enthält genügend Fett, um beim Aufschlagen eine stabile Struktur zu bilden. Durch das Einschlagen von Luft entsteht ein lockerer Schaum, der für Torten, Desserts und Garnituren verwendet wird.
Für ein gutes Ergebnis sollte die Sahne gut gekühlt sein. Wird sie zu lange oder zu stark geschlagen, können sich Fettbestandteile zusammenlagern und Butter entstehen.
Diese Produkte werden mithilfe von Milchsäurebakterien gesäuert. Sie unterscheiden sich vor allem im Fettgehalt und in ihrer Konsistenz.
Crème fraîche ist besonders fettreich und dadurch häufig hitzestabiler als fettärmere Sauerrahmprodukte. Saure Sahne kann bei starker Erhitzung leichter ausflocken. Für warme Saucen sollte sie deshalb vorsichtig eingerührt und möglichst nicht stark aufgekocht werden.
Sauermilcherzeugnisse entstehen, wenn ausgewählte Milchsäurebakterien Milchzucker zu Milchsäure umwandeln. Dadurch sinkt der pH-Wert und das Milcheiweiß verändert seine Struktur. Die Milch wird dicklicher und erhält ihren typischen säuerlichen Geschmack.
Je nach Produkt werden unterschiedliche Bakterienkulturen und Herstellungsverfahren verwendet.
| Produkt | Eigenschaften | Verwendung |
|---|---|---|
| Dickmilch | Mild säuerlich und gelartig bis löffelfest | Frühstück, Desserts und kalte Speisen. |
| Trinksauermilch | Flüssig gerührtes Sauermilchprodukt | Getränk und Grundlage für Mischgetränke. |
| Buttermilch | Säuerlich und meist fettarm | Getränk, Backwaren und kalte Zubereitungen. |
| Kefir | Durch Bakterien und Hefen fermentiert; leicht prickelnd | Getränk, Dressings und kalte Speisen. |
| Saure Sahne | Gesäuertes Sahneprodukt mit mild-säuerlichem Aroma | Dips, Dressings und Saucen. |
| Trinkmolke | Flüssiges Nebenprodukt der Käseherstellung, teils weiterverarbeitet | Getränke, häufig auch mit Fruchtsaft oder Aromen. |
Traditionell entsteht Buttermilch bei der Herstellung von Butter aus Rahm. Industriell hergestellte Buttermilch kann auch durch die Verarbeitung anderer Milchbestandteile entstehen. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Produktbezeichnung und Zutatenliste.
Buttermilch ist in der Regel fettarm und wird sowohl als Getränk als auch zum Backen verwendet.
Kefir entsteht durch eine Fermentation mit speziellen Bakterien und Hefen. Dabei können neben Milchsäure geringe Mengen Kohlendioxid und Alkohol entstehen. Der Alkoholgehalt hängt vom Herstellungsverfahren und der Lagerung ab.
Kefir besitzt häufig einen leicht prickelnden Charakter und einen frischen, säuerlichen Geschmack.
Fruchtjoghurt und andere Fruchtmilchprodukte werden durch die Zugabe von Früchten oder Fruchtzubereitungen hergestellt. Diese können unter anderem Fruchtstücke, Zucker, Verdickungsmittel oder Aromen enthalten.
Die genaue Zusammensetzung und die rechtlich vorgeschriebenen Bezeichnungen hängen vom jeweiligen Produkt ab. Ein hoher Fruchtanteil lässt sich daher nicht allein aus der Bezeichnung „Fruchtjoghurt“ ableiten.
Joghurt ist ein fermentiertes Milchprodukt, das mithilfe charakteristischer Milchsäurebakterien hergestellt wird. Zu den typischen Kulturen gehören Streptococcus thermophilus und Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus.
Die Bakterien wandeln einen Teil des Milchzuckers in Milchsäure um. Dadurch sinkt der pH-Wert und das Milcheiweiß bildet eine gelartige Struktur. So erhält Joghurt seine typische Konsistenz und seinen leicht säuerlichen Geschmack.
Bei stichfestem Joghurt erfolgt die Fermentation häufig direkt im Verkaufsbecher. Bei gerührtem Joghurt wird die gelartige Struktur nach der Fermentation aufgebrochen und das Produkt cremig gerührt.
Joghurt ist in verschiedenen Fettstufen erhältlich. Der Fettgehalt beeinflusst Geschmack, Mundgefühl und Cremigkeit.
| Bezeichnung | Typischer Fettgehalt |
|---|---|
| Magermilchjoghurt | Höchstens 0,5 % |
| Fettarmer Joghurt | 1,5–1,8 % |
| Joghurt aus Vollmilch | Mindestens 3,5 % |
| Sahnejoghurt | Häufig mindestens 10 % |
Die konkreten Werte können abhängig von der Produktkategorie und den geltenden Vorschriften variieren.
Joghurt eignet sich für zahlreiche Anwendungen:
Für warme Speisen sollte Joghurt vorsichtig erhitzt werden, da er bei hohen Temperaturen ausflocken kann. Ein Teil der Säure und der cremigen Textur lässt sich besser erhalten, wenn das Produkt erst gegen Ende der Zubereitung eingerührt wird.
Milch lässt sich durch Wasserentzug haltbarer machen und in konzentrierter Form anbieten. Diese Produkte sind besonders in der Lebensmittelherstellung und im Vorratssortiment nützlich.
| Produkt | Eigenschaften | Verwendung |
|---|---|---|
| Kondensmilch | Durch Wasserentzug konzentrierte Milch, meist wärmebehandelt | Kaffee, Getränke und Speisen. |
| Gezuckerte Kondensmilch | Konzentrierte Milch mit zugesetztem Zucker | Desserts, Süßwaren und Backwaren. |
| Kondensmagermilch | Konzentriertes Milchprodukt mit geringem Fettgehalt | Lebensmittelherstellung und Rezepturen. |
| Milchpulver | Milch, der fast das gesamte Wasser entzogen wurde | Backwaren, Süßwaren, Getränke und industrielle Lebensmittelproduktion. |
Kondensmilch und Milchpulver sind nicht dasselbe: Bei Kondensmilch bleibt ein Teil des Wassers enthalten, während Milchpulver weitgehend getrocknet ist. Nach dem Öffnen beziehungsweise Anrühren müssen die Lagerhinweise des Herstellers beachtet werden.
Milch und viele Milchprodukte sind empfindliche Lebensmittel. Eine passende Kühlung und hygienische Verarbeitung sind entscheidend, um die Qualität zu erhalten und Verderb zu vermeiden.
Für Gastronomiebetriebe sind außerdem die betrieblichen Hygienevorgaben und die jeweils geltenden lebensmittelrechtlichen Bestimmungen maßgeblich.
Milch und Milchprodukte sind vielseitige Zutaten in Küche, Service und Patisserie. Ihre Eigenschaften hängen vor allem vom Fettgehalt, der Wärmebehandlung und den verwendeten Mikroorganismen ab. Wer die Unterschiede zwischen Trinkmilch, Sahne, Sauermilchprodukten, Joghurt und Kondensmilch kennt, kann passende Produkte auswählen und fachgerecht verarbeiten.
Für die professionelle Gastronomie sind neben Geschmack und Konsistenz vor allem eine sichere Lagerung, hygienische Verarbeitung und die richtige Produktwahl entscheidend.