Saucen gehören zu den wichtigsten Bestandteilen der klassischen und modernen Küche. Sie ergänzen Speisen geschmacklich, sorgen für Saftigkeit und verbinden einzelne Komponenten eines Gerichts miteinander. Außerdem beeinflussen sie Farbe, Konsistenz und Anrichten eines Tellers.
Saucen werden zu Fleisch, Fisch, Geflügel, Gemüse, Teigwaren und vielen weiteren Speisen serviert. Sie können warm oder kalt, flüssig oder cremig, mild oder kräftig gewürzt sein. Ihre Herstellung erfordert Fachwissen über Fonds, Bindemittel, Emulsionen und die richtige Temperaturführung.
Eine gut abgestimmte Sauce soll die Hauptzutat ergänzen und nicht überdecken. Sie kann beispielsweise den Eigengeschmack eines Fleischgerichts hervorheben, einem Gemüsegericht mehr Würze verleihen oder ein Gericht durch eine cremige Konsistenz abrunden.
Zu den wichtigsten Aufgaben gehören:
Eine Sauce sollte hinsichtlich Geschmack, Temperatur und Konsistenz zur jeweiligen Speise passen. Eine kräftige Rotweinsauce eignet sich beispielsweise zu dunklem Fleisch, während eine leichte Kräutersauce gut zu Fisch oder Gemüse passen kann.
Grundsaucen sind Ausgangsprodukte, aus denen durch weitere Zutaten und Zubereitungsschritte zahlreiche Ableitungen entstehen. Die klassische französische Küche kennt mehrere wichtige Grundsaucen. Dazu zählen insbesondere Béchamel, Velouté, Espagnole, Tomatensauce und Hollandaise. In der Küchenpraxis werden außerdem Mayonnaise und weitere kalte Saucen als wichtige Basis für Ableitungen verwendet.
Die Einteilung und Benennung kann je nach Lehrbuch, Küchentradition und gastronomischem Betrieb etwas variieren.
Helle Saucen werden häufig aus hellen Fonds, Milch oder Sahne hergestellt. Sie passen besonders gut zu hellem Fleisch, Geflügel, Fisch, Gemüse und Teigwaren.
Eine Velouté ist eine helle, gebundene Sauce auf Basis eines hellen Fonds. Der Fond wird mit einer hellen Mehlschwitze gebunden. Dafür werden Butter und Mehl miteinander erhitzt und anschließend nach und nach mit dem passenden Fond aufgefüllt. Die Sauce wird unter Rühren gekocht, bis sie die gewünschte Konsistenz erreicht.
Als Richtwert kann man für einen Liter Flüssigkeit etwa 50 bis 60 Gramm Butter und 50 bis 60 Gramm Mehl verwenden. Die tatsächliche Menge richtet sich nach gewünschter Bindung und Rezeptur.
Zu den klassischen Varianten gehören:
Aus diesen Grundsaucen können weitere Saucen entstehen:
| Grundsauce | Ergänzung | Ableitung |
|---|---|---|
| Velouté de veau | Eigelb und Sahne | Sauce allemande, auch deutsche Sauce genannt |
| Velouté de volaille | Sahne und Geflügel- beziehungsweise Champignonfond | Sauce suprême |
| Velouté de poisson | Weißwein, Fischfond und je nach Rezept Sahne oder Eigelb | Fisch-Weißwein-Sauce |
Die Sauce suprême wird klassisch aus Geflügelvelouté hergestellt und mit Sahne verfeinert. Die genaue Rezeptur kann je nach Küchenstil variieren.
Die Béchamelsauce ist eine helle Milchsauce. Sie wird aus einer hellen Mehlschwitze und Milch hergestellt. Die Mehlschwitze wird mit Milch aufgefüllt und unter ständigem Rühren gekocht, bis eine glatte, sämige Sauce entsteht. Gewürzt wird sie klassisch mit Salz, Pfeffer und etwas Muskat.
Béchamel wird unter anderem für Gemüsegerichte, Aufläufe, Lasagne und Gratins verwendet.
Bekannte Ableitungen sind:
Eine Kardinalsauce ist eine klassische, reichhaltige Sauce, die je nach Rezeptur auf Fisch- oder Krustentierfond basiert und beispielsweise mit Hummerbutter verfeinert wird. Sie ist keine einfache Standardableitung der Béchamelsauce.
Dunkle Saucen werden vor allem zu Rind, Kalb, Wild und anderen kräftigen Fleischgerichten serviert. Ihre Grundlage sind häufig geröstete Knochen, dunkle Fonds, Röstgemüse und aromatische Zutaten.
Die Espagnole, auch spanische Sauce genannt, ist eine klassische dunkle Grundsauce. Sie wird traditionell aus einem dunklen Fond, Röstgemüse und einer dunklen Mehlschwitze hergestellt. Tomatenmark kann für Farbe und Geschmack ergänzt werden.
Die Sauce wird längere Zeit geköchelt, damit sich die Aromen verbinden. Anschließend wird sie passiert und bei Bedarf weiter reduziert.
Die Espagnole dient als Grundlage für zahlreiche dunkle Ableitungen und ist ein wichtiger Bestandteil der klassischen Saucenküche.
Demi-glace ist eine stark konzentrierte dunkle Sauce. In der klassischen Küche wird sie traditionell aus dunklem Fond und Espagnole hergestellt und durch längeres Einkochen konzentriert. In der modernen Gastronomie gibt es auch vereinfachte Verfahren, bei denen ein hochwertiger dunkler Fond stark reduziert wird.
Demi-glace zeichnet sich durch einen kräftigen Geschmack, eine glänzende Oberfläche und eine sämige Konsistenz aus. Sie wird als Grundlage für zahlreiche dunkle Saucen verwendet.
Wichtig: Demi-glace ist nicht einfach eine beliebige dunkle Brühe. Entscheidend sind die Konzentration und die sorgfältige Herstellung aus einem aromatischen dunklen Ansatz.
Die Jägersauce wird häufig mit Champignons, Schalotten, Weißwein und einer dunklen Grundsauce oder einem Jus hergestellt. Je nach Rezept kommen Tomaten, Kräuter und weitere Zutaten hinzu. Sie passt besonders zu Kalb, Schwein und Geflügel.
Die Bordelaise ist eine klassische Rotweinsauce aus der französischen Küche. Sie wird mit Rotwein, Schalotten und passenden Gewürzen hergestellt und häufig mit einem kräftigen dunklen Fond ergänzt. Klassische Varianten können mit Rindermark verfeinert werden.
Sie passt besonders gut zu Rindfleisch und Steaks.
Warme aufgeschlagene Saucen beruhen häufig auf einer Emulsion aus Eigelb und Fett. Die bekannteste Vertreterin ist die Sauce Hollandaise. Bei ihrer Herstellung ist eine sorgfältige Temperaturführung besonders wichtig, da das Eigelb bei zu großer Hitze gerinnt.
Die Hollandaise ist eine warme, aufgeschlagene Buttersauce. Sie besteht im Wesentlichen aus Eigelb, Butter und einer aromatischen Flüssigkeit. Diese kann beispielsweise aus Weißwein, Essig, Wasser, Schalotten und Pfeffer hergestellt werden.
Für die Zubereitung wird zunächst eine Reduktion gekocht und anschließend passiert. Das Eigelb wird mit etwas Reduktion über einem warmen Wasserbad schaumig aufgeschlagen. Danach wird die flüssige, aber nicht zu heiße Butter langsam unter ständigem Schlagen eingearbeitet, bis eine cremige Emulsion entsteht. Zum Schluss wird die Sauce mit Salz und Zitronensaft abgeschmeckt.
Die Hollandaise passt besonders gut zu Spargel, Gemüse, Fisch und pochierten Eiern.
Worauf es bei der Zubereitung ankommt:
| Sauce | Typische Ergänzung | Verwendung |
|---|---|---|
| Béarnaise | Reduktion aus Weißwein, Essig, Schalotten, Estragon und Pfeffer; Kräuter | Gegrilltes und kurz gebratenes Fleisch, Fisch |
| Mousseline | Geschlagene Sahne und etwas Zitronensaft | Pochierter Fisch, Gemüse und Krustentiere |
| Choron | Tomatenpüree oder Tomatenconcassée zur Béarnaise | Fleisch und Fisch |
| Vénitienne | Kräuter und je nach Rezept Weißwein- oder Essigreduktion | Fisch und pochierte Eier |
| Orangen-Hollandaise | Orangen- oder Blutorangensaft und etwas Schalenabrieb | Geflügel, Fisch und Gemüse |
Die genaue Rezeptur klassischer Ableitungen kann je nach Lehrbuch und Küchentradition abweichen.
Kalte Saucen werden ohne Erhitzen oder nach dem Abkühlen serviert. Sie passen beispielsweise zu Salaten, kaltem Fleisch, Fisch, Eiern und Gemüse.
Mayonnaise ist eine kalte Emulsion aus Öl und Eigelb. Hinzu kommen üblicherweise Essig oder Zitronensaft sowie Salz und weitere Gewürze. Senf kann zusätzlich verwendet werden und unterstützt die Stabilität der Emulsion.
Für die Herstellung wird das Eigelb mit etwas Säure und Gewürzen verrührt. Anschließend wird das Öl zunächst tropfenweise und später in einem dünnen Strahl unter ständigem Rühren oder Schlagen hinzugegeben. So entsteht eine cremige, stabile Sauce.
Mayonnaise kann als eigenständige Sauce serviert oder als Grundlage für zahlreiche Ableitungen verwendet werden.
Hygienehinweis: Klassische Mayonnaise enthält rohes Eigelb. In der Gastronomie sollte deshalb besonders auf die Kühlkette und die hygienische Verarbeitung geachtet werden. Für empfindliche Personengruppen und bei entsprechenden betrieblichen Anforderungen sind pasteurisierte Eiprodukte eine geeignete Alternative. Selbst hergestellte Mayonnaise sollte kühl gelagert und nicht unnötig lange aufbewahrt werden.
Nicht jede Sauce ist eine Ableitung einer klassischen Grundsauce. Einige Saucen werden nach eigenständigen Verfahren hergestellt und haben einen festen Platz in der Küche.
Ein Jus entsteht aus dem Bratensatz und den austretenden Fleischsäften beim Braten. Für einen kräftigen Bratenjus werden die Röstaromen im Bräter mit Flüssigkeit gelöst und mit dunklem Fond, Gemüse und Gewürzen weiterverarbeitet.
Typische Arbeitsschritte:
Ein guter Jus wird häufig durch Reduzieren konzentriert. Bei Bedarf kann er leicht mit Stärke gebunden werden. Eine starke Bindung ist jedoch nicht zwingend erforderlich.
Tomatensauce wird aus Tomaten, Tomatenmark, Gemüse und Gewürzen hergestellt. Je nach Rezept wird sie mit Fond, Wasser oder einer anderen Flüssigkeit angesetzt. Zwiebeln, Knoblauch und Kräuter sorgen für zusätzliche Aromen.
Klassische Varianten können mit einer Mehlschwitze gebunden werden. In der modernen Küche wird die gewünschte Konsistenz häufig durch Einkochen oder Pürieren erreicht.
Tomatensauce passt zu Teigwaren, Gemüse, Fleisch, Fisch und vielen weiteren Gerichten. Bei Fischsaucen wird die Rezeptur entsprechend angepasst; Zutaten wie Speck sind dabei nicht üblich, wenn ein feiner Fischgeschmack erhalten bleiben soll.
Curry-Fruchtsauce verbindet die Würze von Currypulver mit der Süße und Säure von Früchten. Je nach Rezept werden Zwiebeln, Äpfel, Bananen, Ananas oder Mango angeschwitzt und mit Curry gewürzt. Anschließend wird mit Fond oder Kokosmilch aufgefüllt und alles weich gekocht.
Die Sauce kann püriert oder passiert und mit Zitronensaft, Salz und weiteren Gewürzen abgeschmeckt werden. Sie passt beispielsweise zu Geflügel, Reisgerichten und vegetarischen Speisen.
Diese klassische Sauce wird häufig zu gekochtem Rindfleisch serviert. Sie kann aus Milch oder Brühe und fein geriebenem Weißbrot beziehungsweise einer anderen geeigneten Bindung hergestellt werden. Frisch geriebener Meerrettich sorgt für die typische Schärfe. Abgeschmeckt wird mit Salz, Zucker, Essig und je nach Rezept Worcestershiresauce.
Sie ist nicht zwingend eine Ableitung der Béchamelsauce.
Cumberlandsauce ist eine kalte, fruchtig-würzige Sauce. Ihre Grundlage ist meist Johannisbeergelee. Dazu kommen Orangen- und Zitronensaft, Portwein, Senf und Cayennepfeffer. Häufig wird sie mit fein geschnittenen Zitrusschalen ergänzt.
Sie passt besonders zu Wild, Pasteten, Terrinen und kaltem Fleisch.
Sahne-Meerrettich wird aus geriebenem Meerrettich und geschlagener Sahne hergestellt. Zitronensaft, Salz und eine kleine Menge Zucker runden den Geschmack ab.
Die Sauce passt besonders gut zu Räucherfisch, gekochtem Rindfleisch und kalten Fischgerichten.
Eine Vinaigrette ist eine kalte Sauce aus Essig und Öl. Häufig wird ein Verhältnis von einem Teil Essig zu zwei oder drei Teilen Öl verwendet. Die genaue Mischung richtet sich nach Säuregehalt, Ölsorte und gewünschtem Geschmack.
Weitere Zutaten können sein:
Eine Vinaigrette wird häufig zu Salaten, Gemüse und kalten Speisen serviert. Sie kann durch Schütteln oder Rühren kurzfristig emulgiert werden. Da sich Öl und Essig mit der Zeit wieder trennen können, wird sie vor dem Servieren erneut aufgeschlagen oder geschüttelt.
Bei der Herstellung von Saucen sind Geschmack, Konsistenz und Temperatur entscheidend. Auch die richtige Reihenfolge der Arbeitsschritte beeinflusst das Ergebnis.
Wichtige Regeln für die Küchenpraxis:
| Saucengruppe | Grundlage | Beispiele |
|---|---|---|
| Helle Grundsaucen | Heller Fond, Milch oder Mehlschwitze | Velouté, Béchamel |
| Dunkle Grundsaucen | Dunkler Fond, Röstgemüse und dunkle Bindung | Espagnole, Demi-glace |
| Warme aufgeschlagene Saucen | Eigelb und Butter | Hollandaise, Béarnaise |
| Kalte Saucen | Öl, Eigelb oder andere kalte Grundlagen | Mayonnaise, Remoulade |
| Eigenständige Saucen | Unterschiedliche Zutaten und Verfahren | Bratenjus, Tomatensauce, Cumberland |
Merke: Saucen sind ein wesentlicher Bestandteil der Speisenkunde und der professionellen Küchenpraxis. Wer Fonds, Bindemittel und Emulsionen beherrscht, kann zahlreiche klassische und moderne Saucen herstellen und gezielt an die jeweilige Speise anpassen.